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>> KIS Programm
KiS-Eröffnung
und „Mundart, wie vun dehaam gelernt“
Stadtbürgermeiser Dieter Faust eröffnete wie vor Jahresfrist die
KiS-Veranstaltungsreihe (Kulturelles im Städtchen) mit einer
Mundartveranstaltung, die dem Ideenreichtum der Gau-Algesheimer
entsprungen ist, nämlich Bürgerinnen und Bürger, deren Lebensweg
in die Stadt geführt hat, in der von ihrer Kindheit her
bekannten Umgangssprache erzählen und vorlesen zu lassen. Für
die Alteingesessenen eine willkommene Gelegenheit, einmal hinein
zu hören in die Sprachwelt des Nachbarn, Freundes oder
Vereinsmitgliedes. „Mundart, wie vun dehaam gelernt“ hieß die
von der Carl-Brilmayer-Gesellschaft organisierte Veranstaltung.
Die Flyer der KiS- Veranstaltungsreihe sind an den üblichen
Orten ausgelegt und ebenso bei der Tourist-Info in der
Rathausscheune abholbar.
CBG-Vorsitzender Arnold Avenarius-Herborn begrüßte Bürgerinnen
und Bürger sowie Gäste, während der Stadtbürgermeister vor allem
neben der KiS-Eröffnung den Akteuren des Abends am Ende in
Versform dankte. Er lobte das Engement für diesen Abend und
stellte fest, dass alle, die mitmachten, sich in der Stadt
wohlfühlten. Dies sei die Voraussetzung zu einer Beteiligung,
beweise Engagement, das ansonsten kaum gebracht würde. Die
Veranstalter hätten sich einen besseren Besuch dieses
Mundart-Abends gewünscht. Immerhin hatten sich die Interpreten
für den Abend entsprechend vorbereitet.
Sie gaben
Kostproben der Fülle und Klangmelodie verschiedenster deutscher
Dialekte. Es war das vierte Mal, dass in der Stadt eine
derartige Mundart-Veranstaltung geboten wurde. Für die
Moderation stand mit Alfons Molitor ein Kenner zur Verfügung,
der sich im regionalen Raum der Anerkennung seines mundartlichen
Wissens und Handelns erfreut. An diesem Abend hielt er sich
jedoch zurück, um den Menschen das Forum zu bieten, das sie
verdienten, nämlich mit Überzeugung zu erinnern, wie vielfältig
bunt die deutsche Sprache in den einzelnen Dialekten sich
dazustellen vermag. Sie alle sollten zeigen, was sie an
Sprachwitz und –form nach Gau-Algesheim mitgebracht hatten.
Dennoch ließ
der Ur-Gau-Algesheimer nichts anbrennen, wenn es um seine
Heimatstadt geht und korrigierte sprachliche und begriffliche
Abwandlungen im Umgang, die sich, warum auch immer, in der Stadt
einzuschleichen drohten. Herzerfrischend in ihrem badischen
Jargon schilderte Andrea Lübcke ihre Erfahrungen in
Gau-Algesheim als engagiertes Mitglied und Aktive des CVGA,
rückte in ihrem eigens geschriebenen Beitrag zurecht, was aktiv
sein heißt. Auch ihre Geschichte über die „Schwarzwälder
Fußtour“ kam an. Hermine Hellmeister sang das Loblied auf die
Moddersprooch“ in moselfränkischer Mundart und trug an
Beispielen vor, wie schade es ist, dass es für das Wort „Liebe“
im Platt keinen Ausdruck gibt.
Richtige
Wertshausgeschichten erzählte Hans-Martin (Hansi) Schmitz von
einem Original aus seinem Geburtsort hinter Trier, ganz nahe
alles selbst erlebt als Sohn eines Gastronomenehepaares. Gleich
dreimal Kreuznacher Dialekt mit Stickelcher, Geschichten und
Lustigem steuerten Marianne und Jürgen Koch sowie Helmut Becker
zu diesem
Abend bei, wobei Becker auch herausstellte, dass die Derbheit
der Mundart ein Teil dieser Umgangssprache stets gewesen ist.
Der
Gau-Algesheimer Kunstkreis-Vorsitzende Heilmut Heide entwickelte
sich als Sprachtalent, denn neben dem Alemannischen beherrschte
er zudem das Schwitzerdütsch und gab einen Vorgeschmack auf die
bald beginnende Fußball-Europameisterschaft bei den südlichen
deutschen Nachbarn. Kein Wunder, denn Heide wuchs in Weil am
Rhein direkt an der Schweizer Grenze auf, bis ihn die Liebe nach
Gau-Algesheim „verschlug“. Zu den so genannten Exoten zu zählen
ist Joachim Junker mit seinem Ostfriesischen. Die Übersetzung zu
seinem Vortrag hatte er gleich schriftlich mitgeliefert. Und die
Besucher des Abends durften ebenso erfahren, dass Ostfriesisch
kein Dialekt ist, sondern anerkannt als eigene Sprache.
Hedwig
Toth-Schmitz erfreute mit ihrer banat-schwäbischen
Ausdrucksweise, einer Geschichte, die sich in ihrem
Herkunftsland Rumänien abspielte. Erstaunlich, wie sich die
Sprache der einstigen deutschen Auswanderer aus dem süddeutschen
Raum in fremder Umgebung erhalten und weiterentwickelt hat. Auch
hier steht die Kultur im Raum, die mit der Sprache als
Identitätsfaktor prägend für die Entwicklung des Menschen und
seine geistige Einstellung ist.
So erlebten
die Zuhörer im Festsaal des Schlosses Ardeck einen
unterhaltsamen, aber auch informativen Abend mit den
verschiedensten Inhalten. Sie waren von lustig bis beschaulich
und gemütsbewegt zu bezeichnen, boten reichhaltige Vielfalt, die
sich im Leben des Menschen abspielt. Gedichte und Erzählungen im
Wechselspiel ließen keine lange Weile aufkommen.
Die
Carl-Brilmayer-Gesellschaft schenkte Wein aus und bat um eine
kleine Spende anstelle eines Eintritts, denn der war wie immer
frei, für eine denkmalpflegerische Maßnahme. .Es geht dabei um
die Zusammensetzung von Bruchstücken des Korpus’ vom Kreuz „Im
Hippel“ (hinter den Hochhäusern), die sich im Besitz von
Karl-Heinz Brauser befinden. Er hatte die einzelnen Teile
bereits seit 40 Jahren aufbewahrt und vor der Müllhalde
verschont. Sie sollen nun wieder zusammengefügt werden. Dies mit
Sorgfalt und fachmännisch durchführen zu lassen, ist
selbstverständlich nicht zum „Null-Tarif“ machbar.
Mundart ist „in“
Gleich dreimal
in den nächsten zwei Wochen steht die Mundart im Mittelpunkt von
Veranstaltungen in Gau-Algesheim oder mit Gau-Algesheimer
Beteiligung. Hier der Service:
„Mundart
wie vun dehaam gelernt“
Am Donnerstag,
29. Mai, 19.30 Uhr, eröffnet Stadtbürgermeister Dieter Faust die
Veranstaltungsreihe „Kulturelles im Städtchen“, kurz KiS
genannt, im Festsaal des Schlosses Ardeck mit der
Mundart-Veranstaltung „Mundart wie vun dehaam gebabbelt“. Der
Festsaal des schmucken Schlosses bietet wiederum ein Forum für
die Freunde der Mundart. Bürgerinnen und Bürger, die in der
Stadt ihr Daheim gefunden haben, nutzen die Gelegenheit, sich
Freunden und Bekannten wie Interessierten in der ihnen
angeborenen Mundart zu präsentieren. Der große Zuspruch, der
seither dieses Mundartangebot von den Besuchern her begleitet
hat, unterstreicht die Beliebtheit der Umgangssprache. Und für
die Eue ist es zudem interessant, hineinzuhören in die
Sprachmelodie und den –klang von Nachbarn und Mitbürgern, denen
man täglich begegnet. Veranstalter ist die
Carl-Brilmayer-Gesellschaft. Eintritt wird nicht erhoben. Eine
kleine Spende für einen denkmalpflegerischen Zweck ist
willkommen.
Lichs
Kulturforum
Beim „Lorenzeberger
11-Uhr-Laite“ bei Lichs Kulturforum am Sonntag, 1. Juni,
11 Uhr natürlich, vermitteln Hildegard Hattemer sowie Alfons und
Jutta Molitor in Mundart „Wissenswertes und Stickelcher vun
Kerch, Wallfahrt un Wei“. Die Familie Lich bietet zum Abschluss
um 12.30 Uhr ein Festmahl der Vergangeheit zum Gesamtpreis von
16 Euro inklusive einer kleinen Spende für die beliebte
Wallfahrtskirche. Karten werden aus Platzgründen nur in
begrenztem Umfang angeboten, weshalb um Verständnis hierfür
gebeten wird.
„Gebabbelt un gehorcht“ auf der LGS
Die
Heimatfreunde am Mittelrhein laden als kultur-historische
Vereinigung zu einer Mundartveranstaltung der besonderen Art zur
Landesgartenschau ein. Hinter „Gebabbelt un gehorcht“ –rund ums
Rhein-Nahe-Eck- verbergen sich die Mundartbereiche Rheinhessen,
Rheingau, Mittelrhein und Untere Nahe. Sie geben sich mit
Autoren und Interpreten am Freitag, 13. Juni, 19.30 Uhr, auf der
Open-Air-Bühne auf dem LGS-Gelände ein Stell-dich-ein. Moderiert
wird die Veranstaltung durch den 2. Vorsitzenden der Vereinigung
und Mundartkenner Alfons Molitor, musikalisch unterstützt durch
die Contrast-Dixies, Leitung Michael Kaiser, die im Vortrag auch
an die alten Lieder wie „Ei, wo bleibt mei Josepche“, oder
„Siehst de nit, do kimmt er“ erinnern. Neben der bekanntesten
Rheingauer Interpretin Ulrike Neradt (u. a. SWR), dem Bad
Kreuznacher „Hombes“ Karl Rudolf Hornberger und dem Binger
Bernhard Eckes, um nur einige zu nennen, wird auch der
Mainz-Binger Mundartsänger Herbert Völkner, der sich selbst auf
der Gitarre begleitet, zu hören sein. „Ei, gude wie?“ oder das
Liedchen vom „Kroppedippedeckel“ lassen die ganze rheinhessische
Lebensart aufwachen und sicherlich so manchen Mainz-Binger sich
selbst wieder finden.
Für
die Heimatfreunde am Mittelrhein ist diese Veranstaltung ein
Beitrag zur Landesgartenschau ihrer Sitzgemeinde und eine
gewisse Reverenz an das, was geleistet wurde zu dieser
Landesschau. Zugleich möchte die Vereinigung mit der
Veranstaltung darauf hinweisen, welchen Wert der Begriff
„Heimat“ hat, wenn es darum geht, dass Menschen sich selbst
erkennen und zu Persönlichkeiten werden. Die Verwurzelung mit
Geschichte und Brauchtum spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Und um das Aufspüren der Vergangenheit geht es den
Heimatfreunden am Mittelrhein, die auch inhaltlich das
Heimatjahrbuch des Landkreises Mainz-Bingen gestalten wie auch
in der Beilage unserer Zeitung, „Heimat am Mittelrhein“,
geschichtliche Akzente rund ums Rhein-Nahe-Eck setzen.
Wer
von den Mundartfreunden die Veranstaltung besuchen möchte,
benötigt lediglich die Tageskarte beziehungsweise Abendkarte
(kostet 5 Euro) zur LGS oder die Dauerkarte.
Gesondert bitte ankündigen, da nicht Mundart,
danke, Achim!
(Vor)Lesen in der Rathausscheune
Nach dem
Willen des Teams um Barbara Beck-Hattemer von Tourist-Info in
der Rathausscheune soll der vorhandene Leseraum verstärkt seiner
Zweckbestimmung zugängig gemacht werden. Eine erste
Veranstaltung steht nun an:
(Vor)Lesen „Der schwarze Nikolaus“
Der erste
Vorleseabend im Leseraum der Rathausscheune mit dem Wein- und
Kulturbotschafter Horst Dorée am Freitag, 6. Juni 2008, 20 Uhr,
ist kostenfrei. Tourist-Info in der Rathausscheune bietet zum
Abend Wein im Ausschank an, teilt Barbara Beck-Hattemer mit.
Doree liest auszugsweise aus dem Roman „Der schwarze Nikolaus“
von Nikolaus Schwarzkopf, einem Büchner-Preisträger, der in den
20er Jahren des letzten Jahrhunderts Lehrer in Ockenheim war und
das Leben in der Nachbargemeinde schildert, manches für ihn aus
der armen nördlichen Odenwaldgegend stammend, unverständlich und
zu üppig.
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