„Mundart wie vun dehaam gelernt“

vom 29. Mai 2008


 

 

 

 

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KiS-Eröffnung und „Mundart, wie vun dehaam gelernt“
 

Stadtbürgermeiser Dieter Faust eröffnete wie vor Jahresfrist die KiS-Veranstaltungsreihe (Kulturelles im Städtchen) mit einer Mundartveranstaltung, die dem Ideenreichtum der Gau-Algesheimer entsprungen ist, nämlich Bürgerinnen und Bürger, deren Lebensweg in die Stadt geführt hat, in der von ihrer Kindheit her bekannten Umgangssprache erzählen und vorlesen zu lassen. Für die Alteingesessenen eine willkommene Gelegenheit, einmal hinein zu hören in die Sprachwelt des Nachbarn, Freundes oder Vereinsmitgliedes. „Mundart, wie vun dehaam gelernt“ hieß die von der Carl-Brilmayer-Gesellschaft organisierte Veranstaltung. Die Flyer der KiS- Veranstaltungsreihe sind an den üblichen Orten ausgelegt und ebenso bei der Tourist-Info in der Rathausscheune abholbar.

 

CBG-Vorsitzender Arnold Avenarius-Herborn begrüßte Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste, während der Stadtbürgermeister vor allem neben der KiS-Eröffnung  den Akteuren des Abends am Ende in Versform dankte. Er lobte das Engement für diesen Abend und stellte fest, dass alle, die mitmachten, sich in der Stadt wohlfühlten. Dies sei die Voraussetzung zu einer  Beteiligung, beweise Engagement, das ansonsten kaum gebracht würde. Die Veranstalter hätten sich einen besseren Besuch dieses Mundart-Abends gewünscht. Immerhin hatten sich die Interpreten für den Abend entsprechend vorbereitet.

 

Sie gaben Kostproben der Fülle und Klangmelodie verschiedenster deutscher Dialekte. Es war das vierte Mal, dass in der Stadt eine derartige Mundart-Veranstaltung geboten wurde. Für die Moderation stand mit Alfons Molitor ein Kenner zur Verfügung, der sich im regionalen Raum der Anerkennung seines mundartlichen Wissens und Handelns erfreut. An diesem Abend hielt er sich jedoch zurück, um den Menschen das Forum zu bieten, das sie verdienten, nämlich mit Überzeugung zu erinnern, wie vielfältig bunt die deutsche Sprache in den einzelnen Dialekten sich dazustellen vermag. Sie alle sollten zeigen, was sie an Sprachwitz und –form nach Gau-Algesheim mitgebracht hatten.

 

Dennoch ließ der Ur-Gau-Algesheimer nichts anbrennen, wenn es um seine Heimatstadt geht und korrigierte sprachliche und begriffliche Abwandlungen im Umgang, die sich, warum auch immer, in der Stadt einzuschleichen drohten. Herzerfrischend in ihrem badischen Jargon schilderte Andrea Lübcke ihre Erfahrungen in Gau-Algesheim als engagiertes Mitglied und Aktive des CVGA, rückte in ihrem eigens geschriebenen Beitrag zurecht, was aktiv sein heißt. Auch ihre Geschichte über die „Schwarzwälder Fußtour“ kam an. Hermine Hellmeister sang das Loblied auf die Moddersprooch“ in moselfränkischer Mundart und trug an Beispielen vor, wie schade es ist, dass es für das Wort „Liebe“ im Platt keinen Ausdruck gibt.

 

Richtige Wertshausgeschichten erzählte Hans-Martin (Hansi) Schmitz von einem Original aus seinem Geburtsort hinter Trier, ganz nahe alles selbst erlebt als Sohn eines Gastronomenehepaares. Gleich dreimal Kreuznacher Dialekt mit Stickelcher, Geschichten und Lustigem steuerten Marianne und Jürgen Koch sowie Helmut Becker  

zu diesem Abend bei, wobei Becker auch herausstellte, dass die Derbheit der Mundart ein Teil dieser Umgangssprache stets gewesen ist.

 

Der Gau-Algesheimer Kunstkreis-Vorsitzende Heilmut Heide entwickelte sich als Sprachtalent, denn neben dem Alemannischen beherrschte er zudem das Schwitzerdütsch und gab einen Vorgeschmack auf die bald beginnende Fußball-Europameisterschaft bei den südlichen deutschen Nachbarn. Kein Wunder, denn Heide wuchs in Weil am Rhein direkt an der Schweizer Grenze auf, bis ihn die Liebe nach Gau-Algesheim „verschlug“. Zu den so genannten Exoten zu zählen ist Joachim Junker mit seinem Ostfriesischen. Die Übersetzung zu seinem Vortrag hatte er gleich schriftlich mitgeliefert. Und die Besucher des Abends durften ebenso erfahren, dass Ostfriesisch kein Dialekt ist, sondern anerkannt als eigene Sprache.

 

Hedwig Toth-Schmitz erfreute mit ihrer banat-schwäbischen Ausdrucksweise, einer Geschichte, die sich in ihrem Herkunftsland Rumänien abspielte. Erstaunlich, wie sich die Sprache der einstigen deutschen Auswanderer aus dem süddeutschen Raum in fremder Umgebung erhalten und weiterentwickelt hat. Auch hier steht die Kultur im Raum, die mit der Sprache als Identitätsfaktor prägend für die Entwicklung des  Menschen und seine geistige Einstellung ist.

 

So erlebten die Zuhörer im Festsaal des Schlosses Ardeck einen unterhaltsamen, aber auch informativen Abend mit den verschiedensten Inhalten. Sie waren von lustig bis beschaulich und gemütsbewegt zu bezeichnen, boten reichhaltige Vielfalt, die sich im Leben des Menschen abspielt. Gedichte und Erzählungen im Wechselspiel ließen keine lange Weile aufkommen.

 

Die Carl-Brilmayer-Gesellschaft schenkte Wein aus und bat um eine kleine Spende anstelle eines Eintritts, denn der war wie immer frei, für eine denkmalpflegerische Maßnahme. .Es geht dabei um die Zusammensetzung von Bruchstücken des Korpus’ vom Kreuz „Im Hippel“ (hinter den Hochhäusern), die sich im Besitz von Karl-Heinz Brauser befinden. Er hatte die einzelnen Teile bereits seit 40 Jahren aufbewahrt und vor der Müllhalde verschont. Sie sollen nun wieder zusammengefügt werden. Dies mit Sorgfalt und fachmännisch durchführen zu lassen, ist selbstverständlich nicht zum „Null-Tarif“ machbar.  

 

 

Mundart ist „in“

Gleich dreimal in den nächsten zwei Wochen steht die Mundart im Mittelpunkt von Veranstaltungen in Gau-Algesheim oder mit Gau-Algesheimer Beteiligung. Hier der Service:

 

„Mundart wie vun dehaam gelernt“

Am Donnerstag, 29. Mai, 19.30 Uhr, eröffnet Stadtbürgermeister Dieter Faust die Veranstaltungsreihe „Kulturelles im Städtchen“, kurz KiS genannt, im Festsaal des Schlosses Ardeck mit der Mundart-Veranstaltung „Mundart wie vun dehaam gebabbelt“. Der Festsaal des schmucken Schlosses bietet wiederum ein Forum für die Freunde der Mundart. Bürgerinnen und Bürger, die in der Stadt ihr Daheim gefunden haben, nutzen die Gelegenheit, sich Freunden und Bekannten wie Interessierten in der ihnen angeborenen Mundart zu präsentieren. Der große Zuspruch, der seither dieses Mundartangebot von den Besuchern her begleitet hat, unterstreicht die Beliebtheit der Umgangssprache. Und für die Eue ist es zudem interessant, hineinzuhören in die Sprachmelodie und den –klang von Nachbarn und Mitbürgern, denen man täglich begegnet. Veranstalter ist die Carl-Brilmayer-Gesellschaft. Eintritt wird nicht erhoben. Eine kleine Spende für einen denkmalpflegerischen Zweck ist willkommen.   

 

Lichs Kulturforum

Beim „Lorenzeberger 11-Uhr-Laite“ bei Lichs Kulturforum am Sonntag, 1. Juni, 11 Uhr natürlich, vermitteln Hildegard Hattemer sowie Alfons und Jutta Molitor in Mundart „Wissenswertes und Stickelcher vun Kerch, Wallfahrt un Wei“. Die Familie Lich bietet zum Abschluss um 12.30 Uhr ein Festmahl der Vergangeheit zum Gesamtpreis von 16 Euro inklusive einer kleinen Spende für die beliebte Wallfahrtskirche. Karten werden aus Platzgründen nur in begrenztem Umfang angeboten, weshalb um Verständnis hierfür gebeten wird.

 

„Gebabbelt un gehorcht“ auf der LGS

Die Heimatfreunde am Mittelrhein laden als kultur-historische Vereinigung zu einer Mundartveranstaltung der besonderen Art zur Landesgartenschau ein. Hinter „Gebabbelt un gehorcht“ –rund ums Rhein-Nahe-Eck- verbergen sich die Mundartbereiche Rheinhessen, Rheingau, Mittelrhein und Untere Nahe. Sie geben sich mit Autoren und Interpreten am Freitag, 13. Juni, 19.30 Uhr, auf der Open-Air-Bühne auf dem LGS-Gelände ein Stell-dich-ein. Moderiert wird die Veranstaltung durch den 2. Vorsitzenden der Vereinigung und Mundartkenner Alfons Molitor, musikalisch unterstützt durch die Contrast-Dixies, Leitung Michael Kaiser, die im Vortrag auch an die alten Lieder wie „Ei, wo bleibt mei Josepche“, oder „Siehst de nit, do kimmt er“ erinnern. Neben der bekanntesten Rheingauer Interpretin Ulrike Neradt (u. a. SWR), dem Bad Kreuznacher „Hombes“ Karl Rudolf Hornberger und dem Binger Bernhard Eckes, um nur einige zu nennen, wird auch der Mainz-Binger Mundartsänger Herbert Völkner, der sich selbst auf der Gitarre begleitet, zu hören sein. „Ei, gude wie?“ oder das Liedchen vom „Kroppedippedeckel“ lassen die ganze rheinhessische Lebensart aufwachen und sicherlich so manchen Mainz-Binger sich selbst wieder finden.

Für die Heimatfreunde am Mittelrhein ist diese Veranstaltung ein Beitrag zur Landesgartenschau ihrer Sitzgemeinde und eine gewisse Reverenz an das, was geleistet wurde zu dieser Landesschau. Zugleich möchte die Vereinigung mit der Veranstaltung darauf hinweisen, welchen Wert der Begriff „Heimat“ hat, wenn es darum geht, dass Menschen sich selbst erkennen und zu Persönlichkeiten werden. Die Verwurzelung mit Geschichte und Brauchtum spielt dabei eine entscheidende Rolle. Und um das Aufspüren der Vergangenheit geht es den Heimatfreunden am Mittelrhein, die auch inhaltlich das Heimatjahrbuch des Landkreises Mainz-Bingen gestalten wie auch in der Beilage unserer Zeitung, „Heimat am Mittelrhein“, geschichtliche Akzente rund ums Rhein-Nahe-Eck setzen. 

Wer von den Mundartfreunden die Veranstaltung besuchen möchte, benötigt lediglich die Tageskarte beziehungsweise Abendkarte (kostet 5 Euro) zur LGS oder die Dauerkarte.

Gesondert bitte ankündigen, da nicht Mundart, danke, Achim!

 

(Vor)Lesen in der Rathausscheune

Nach dem Willen des Teams um Barbara Beck-Hattemer von Tourist-Info in der Rathausscheune soll der vorhandene Leseraum verstärkt seiner Zweckbestimmung zugängig gemacht werden. Eine erste Veranstaltung steht nun an:

 

(Vor)Lesen „Der schwarze Nikolaus“

Der erste Vorleseabend im Leseraum der Rathausscheune mit dem Wein- und Kulturbotschafter Horst Dorée am Freitag, 6. Juni 2008, 20 Uhr, ist kostenfrei. Tourist-Info in der Rathausscheune bietet zum Abend Wein im Ausschank an, teilt Barbara Beck-Hattemer mit. Doree liest auszugsweise aus dem Roman „Der schwarze Nikolaus“ von Nikolaus Schwarzkopf, einem Büchner-Preisträger, der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Lehrer in Ockenheim war und das Leben in der Nachbargemeinde schildert, manches für ihn aus der armen nördlichen Odenwaldgegend stammend, unverständlich und zu üppig.

 

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