Historischer Lebenslauf unserer Stadt
| 500-600 n. Chr. | merowingische Gräber im Stadtgebiet, Gründung von Alagastesheim. |
| 766, 22. November | erste urkundliche Erwähnung: Nanther und Hiltrud schenken dem Kloster Lorsch eine Manse und 20 Morgen Pflugland in der Gemarkung Alagastesheim. |
| 767, 1. November | Rudolf schenkt dem Kloster Lorsch einen Unfreien, seinen gesamten Besitz und einen Weinberg in der Berger Mark (Laurenziberg). |
| 983, 14. Juni | Kaiser Otto II. schenkt in einer Urkunde, ausgestellt in Verona, seinem Gönner und Förderer Erzbischof Willigis von Mainz das Land rechts und links der Nahemündung vom Heimbach bis zur Selz und den Rheingau. Beginn der Grundherrschaft und Gerichtsbarkeit des Mainzer Erzbischofs über Land und Leute. Der frühere Königs- bzw. Fronhof mit den dazu gehörenden Ländereien wird zum erzbischöflichen Besitz. Hieraus erfolgen später zahlreiche Schenkungen des Erzbischof an Mainzer und umliegende Klöster. |
| 1112 | erste Erwähnung einer Burg, genannt „Moseburg“ in Gau-Algesheim. |
| 1130 | die Johannisberger Ministerialenversammlung belegt erstmals eine Verbindung zum Rheingau. |
| 1268 | erste Erwähnung eines Gerichts. |
| 1332, 23. August | Kaiser Ludwig „der Bayer“ gewährt zu Nürnberg auf Bitten des Provisors des Mainzer Erzstuhls, Balduin von Luxemburg den Orten Algesheim und Eltville „die Freiheit von Frankfurt, das Recht der Ummauerung und einen Wochenmarkt“. |
| 1334 | Erhebung einer Schutzsteuer für Juden. |
| 1339 |
Erzbischof Heinrich von Virneburg belehnt den Ritter Johann von Lorch mit dem Schultheißenamt sowie dem bedeutenden Weinmarkt in Algesheim. Ein lebhafter Geldverkehr in Form von Gültverschreibungen (eine Art Geldverleih gegen Zinsen) hebt die junge Stadt deutlich gegenüber ihrem Umland ab. |
| ab 1341 |
städtisches Leben durch Ansiedlung von Kaufleuten und Handwerkern wie Heringshändler, Schmiede, Bäcker, Bartscherer, Küfer, Schneider, Krämer. Zahlreicher Ortsadel. |
| 1344/45 | Erwähnung der Stadtbefestigung mit drei Stadttoren und des Marktplatzes. Die Einwohner werden als „Bürger“ bezeichnet. |
| 1355, 11. Februar | erneute Bestätigung der Stadtrechte für Gau-Algesheim zusammen mit Höchst bei Frankfurt/Main auf Bitten des Erzbischof Gerlach von Nassau, gewährt zu Pisa, durch Kaiser Karl IV. Gau-Algesheim ist im Erzstift eine bedeutende Grenzstadt. |
| 1417 | Erzbischof Johann II. von Nassau erlässt eine neue Gemeindeordnung, nimmt den Algesheimern die mit den Stadtrechten verliehenen kaiserlichen Freiheiten und ernennt einen Amtmann mit Sitz im Schloss Ardeck. |
| um 1430 | Meister Peter Bischof von Algesheim geboren, Baumeister und Steinmetz u. a. am Straßburger Münster. |
| 1422-44 | Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach baut die Moseburg zum Wasserschloss aus und urkundet mehrfach dort. |
| 1461 | Erzbischof Adolf von Nassau verpfändet Schloss und Stadt Algesheim an den Markgrafen Karl von Baden. Die badische Pfandschaft dauert bis 1480. |
| 1480
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findet sich erstmals das Mainzer Rad im Gau-Algesheimer Stadtwappen. Gau-Algesheim kommt wieder zu Kurmainz. |
| 1525, 29. April bis 25. Juni | Gau-Algesheimer Einwohner beteiligen sich mit Binger und Mainzer Bürgern am Rheingauer Bauernaufstand. |
| 1527, 3. Januar
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Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg erlässt eine neue Landesordnung und trennt Algesheim vom Rheingau ab. |
| um 1570 | wird in Gau-Algesheim Christian Erbach geboren, späterer Hofkapellmeister der Fugger und Domorganist in Augsburg, Komponist zahlreicher Orgelwerke, Motetten und Messen. + 1635 in Augsburg. |
| 1577 | der kurmainzische Kartograph Gottfried Mascop fertigt im kurfürstlichen Auftrag Risse sowie eine Beschreibung der Stadt mit Gemarkung und den zum Amt Algesheim gehörenden Dörfern an. |
| 1590 | in Gau-Algesheim gibt es 190 bewohnte und unbewohnte Herdstätten, darunter zwei Edelhöfe, zwei Backhäuser, die Badstube, den Pfarrhof und vier Altaristenhäuser. |
| 1595 | Gau-Algesheim erhält eine Polizeiordnung mit Aufzählung der Gemeindeämter. |
| 1631 | im 30jährigen Krieg erleidet die Stadt schwere Zerstörungen bei der Einnahme durch die Schweden. |
| 1666 | wütet die Pest und rafft fast ungefähr 400 Menschen weg. 1667 leben nur noch 207 Einwohner in der Stadt. |
| 1691, 9. Juli | im pfälzischen Erbfolgekrieg, auch Orléansscher Krieg genannt, brennen französische Soldaten Ludwig XIV. die Stadt bis auf die Kirche und wenige Häuser nieder. Die Bevölkerung rettet sich mit der schwachen Besatzung in das Schloss. Ein Reliefstein an der Kirche erinnert an den Untergang der Stadt. |
| 1726 | Wiederaufbau des Rathauses auf den Resten des niedergebrannten gotischen Vorläuferbaus von 1480. |
| 1733/34 | französische Truppen besetzen während des polnischen Erbfolgekrieges erneut kurmainzisches Gebiet und verschanzen sich auf dem Westerberg. |
| 1792 | Einmarsch französischer Revolutionstruppen nach der Einnahme von Mainz durch den Anführer der französischen Revolutionsarmee General Custine. Viele Bürger bekennen sich zu den Idealen der Französischen Revolution. |
| 1797 | nach dem Frieden von Campo Formio gehört Gau-Algesheim zum Kanton Ober-Ingelheim im Département Mont Tonnerre (Donnersberg) und zählt wie das gesamte linke Rheinufer zur Republik Frankreich. Abtrennung von Kurmainz. |
| 1803 | die wehrhaften Teile von Schloss Ardeck, Türme und Mauern werden geschleift, die Steine zum Straßenbau verwendet. |
| 1811, 6. September | bricht in einem Anwesen in der Langgasse ein Feuer aus und vernichtet ein ganzes Stadtviertel mit 80 Gebäuden zwischen Langgasse, Hospitalstraße, Obere-, Untere- und Querbein. |
| 1812 | herrscht große Not in der Bevölkerung. Kaiser Napoleon rüstet seine Grande Armée gegen Rußland, hierzu werden auch Gau-Algesheimer Männer eingezogen. Die Bürger müssen Wagen, Pferde und Lebensmittel stellen. In der Stadt sind französische Soldaten einquartiert, ansteckende Krankheiten fordern ihren Tribut in der Bevölkerung. |
| 1816 | nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress kommt Gau-Algesheim nach dem in Frankfurt geschlossenen Staatsvertrag zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, Provinz Rheinhessen. |
| 1812/1819 | mit der Niederlegung der Stadttore verschwindet fast die gesamte mittelalterliche Stadtbefestigung. Zwei Stadttürme, in der Badstube und der „Graulturm“ an der Bleiche bleiben erhalten. |
| 1825, 9. September | stirbt in seinem Haus in der Kloppgasse Rudolf Eickemeyer, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Gaststudent der Sorbonne und in Cambridge. Er hatte u. a. folgende Ämter inne: Leutnant der Artillerie und kurmainzischer Festungsoffizier, Professur der philosophischen Fakultät und Dekan der Mainzer Universität, resignierter französischer General, später Maire und Bürgermeister der Stadt Gau-Algesheim, Provinzialrat für Rheinhessen und Abgeordneter der 2. Kammer für das Großherzogtum Hessen. |
| 1829 | stirbt in Blois/Loire der Maler der Französischen Revolution Jean Jacques Hauer. |
| 1859, 17. Oktober | hält der erste Personenzug am neu errichteten Bahnhof der Großherzoglich-Hessischen-Ludwigsbahn Mainz und Bingen. |
| 1860 | Gründung der freiwilligen Feuerwehr. |
| 1861 | Einrichtung einer Postablage der Turn- und Taxis’schen Postbehörde, 1867 Postexpedition, 1874 Postamt. |
| 1887-89 | Erweiterung der kath. Pfarrkirche St. Cosmas und Damian im neugotischen Stil unter Einbeziehung älterer Bauteile durch den bedeutenden Architekten Maximilian Meckel und die Baumeister Gebrüder Gerharz. Bauherr ist Pfarrer Peter Koser, der die kath. Gemeinde von 1869-90 leitet. Pfarrer Koser ist auch Initiator zahlreicher sozialer und wirtschaftlicher Einrichtungen, die bis heute in der Stadt existieren. |
| 1890 | erhält Gau-Algesheim eine zentrale Wasserversorgung. |
| 1894 | Einweihung des von dem Fabrikanten Commerzienrat Avenarius gestifteten Albertus-Hospitals. |
| 1899 | in Gau-Algesheim wird das erste Telefon installiert. |
| 1902, 15. Mai | Eröffnung der Bahnstrecke Gau-Algesheim – Bad Kreuznach. |
| 1909 | das Elektrizitätswerk der 1868 gegründeten chemischen Fabrik der Gebrüder Avenarius versorgt die Stadt mit Strom. |
| 1909/1910 | wird an der Appenheimer Straße ein großzügiges Schulgebäude durch den Büdinger Architekten Hans Becker und die Baumeister Gerharz errichtet. |
| 1914-18 | Gau-Algesheim beklagt im 1. Weltkrieg 82 Männer, die an den verschiedenen Fronten gefallen oder in Lazaretten verstorben sind. |
| 1927, 22. Mai | Einweihung der evangelischen Kirche. |
| 1939-45 | während des 2. Weltkriegs beklagt die Bevölkerung 140 Gefallene und 80 Vermißte. 5 Gebäude werden durch Bomben zerstört. |
| 1946 und 1948 | werden erstmals wieder demokratische Wahlen durchgeführt. Gau-Algesheim gehört zum Bundesland Rheinland-Pfalz. |
| 1955, 16.-18.Juli | feiert die Stadt die Wiederkehr des 600. Jahrestages der Stadtrechtsverleihung vom 11. Februar 1355 mit einem großen Fest im Festzelt hinter der Schule. |
| 1972, 13. März | Bildung der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim mit Sitz im Schloss Ardeck. Im gleichen Jahr Unterzeichnung der Partnerschaft mit der französischen Stadt Saulieu/Cote d’Or (Burgund). |
| 1984, 26. Mai | Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Caprino Veronese. |
| 1990, 21. Juni und 9./10. November |
Freundschaftsvertrag zwischen Bürgern von Redford/Michigan-USA und Gau-Algesheim sowie Bildung eines Freundschaftskreises mit den thüringischen Gemeinden Stotternheim und Neudietendorf. |
| 1991 | Gau-Algesheim zählt 6000 Einwohner. |
| 1994, 8. Juni | das neue Caritas-Altenzentrum „Albertus-Stift“ wird eingeweiht. |
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1995, 21, Oktober |
die Verwaltung der Verbandsgemeinde bezieht ihr neues Rathaus in der Hospitalstraße. |
| 2000/2001 | Umgestaltung des Schloss Ardeck zu einem Bürgerzentrum, Nutzung des rechten Neubauflügels für den städtischen Kindergarten, Wiederentdeckung der historischen Bonifatiuskapelle. |
| Quellen: |
Karl Joh. Brilmayer:
„Geschichte der Stadt Gau-Algesheim“, 1883 Anton Philipp Brück „625 Jahre Stadt Gau-Algesheim“ Stadt Gau-Algesheim „Historisches Lesebuch“, Norbert Diehl u.a. Zusammenstellung Manfred Wantzen |