Die Geschichte des ‚Judenkirchove‘
nach dem 2.Weltkrieg

Die Geschichte des Friedhofs nach der NS-Zeit ist schnell erzählt: Die Stadt führte unmittelbar nach Kriegsende eine umfangreiche Wiederherrichtung des Friedhofs durch. Die Grabsteine wurden wieder aufgerichtet und die gesamte, stark in Mitleidenschaft gezogene Anlage so gut wie möglich in ihren alten Zustand versetzt. Da es in Gau-Algesheim leider auch heute noch keine jüdische Gemeinde gibt, trugen die Stadtverwaltung und die jüdische Gemeine Mainz Sorge für den „Judenkirchove“.

Doch schon im Jahr 1948 gab es eine erste Schändung der Anlage, Hakenkreuze wurden in die Grabsteine geritzt, Gräber verwüstet. Ähnliches passierte im Jahre 1964. In beiden Fällen handelte es sich um Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren. Sie konnten von der Polizei ermittelt werden und mussten den angerichteten Schaden verantworten.

Anders geschah es in 1998: Diesmal benutzten die Täter Spraydosen, wüteten mit großer Brutalität und konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Der Friedhof wurde zwar nach der Schändung vom städtischen Bauhof provisorisch wiederhergerichtet, befindet sich aber trotzdem in einem, wie im Vorwort beschriebenen, sehr trostlosem Zustand.

Kaum ein Gau-Algesheimer weiß heute etwas von seiner Existenz, ab und zu kommen die Gemeindearbeiter, um das wuchernde Gebüsch zurückzuschneiden, aber auch sie können das langsame Vergessen nicht verhindern. Dabei gibt es, wie wir gemerkt haben, sehr viele interessante und bewegende Schicksale, die sich hinter den verwitterten Grabsteinen im Judensande verbergen.

Wir hoffen jedenfalls, dass wir mit diesem Projekt etwas gegen das Vergessen und für das Bekenntnis zur Vergangenheit unserer Stadt getan haben.

Ein Beitrag von Frederik Heller und Robert Stern